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 Aktuelles 2010 > 030910_Glasbau
GLASBAU: Elegante Vordächer aus Glas
Glasdach am Josie Robertson Plaza

Die Vordächer gründen auf der Untergeschossebene, durchstoßen eine Fußgängerrampe und bilden den einzigen Auflagepunkt für die 27 Meter lange Konstruktion. Foto: Seele Sedak/Andreas Keller

Das Lincoln Center for the Performing Arts wurde Ende der fünfzigerer Jahre errichtet und ist das bedeutendste und bekannteste kulturelle Zentrum von New York. Der über sechs Hektar große Kulturkomplex beherbergt unter anderem die weltberühmte Metropolitan Opera mit ihren fast 4.000 Sitzplätzen. Zurzeit wird der komplette Straßenblock des Lincoln Centers in Manhattan von den New Yorker Künstlern und Architekten Diller Scofidio + Renfro neu gegliedert.

Zwei weit auskragende gläserne Vordächer strukturieren den öffentlichen Raum am Josie Robertson Plaza und betonen die Eingangssituationen der Avery Fisher Hall und des David H. Koch Theater auf unübersehbare Weise. Die markanten gläsernen Vordächer reichen über den Bürgersteig hinweg bis an die Columbus Avenue und laden Vorübergehende ein, in die Welt der Künste einzutreten.

Diller Scofidio + Renfro fügten zwei elegante und gestalterisch identische Stahlskulpturen behutsam an die Architektur der Avery Fisher Hall und das David H. Koch Theater an. So leicht und elegant die Konstruktion auch scheinen mag, die Ingenieursleistung ist immens und sprengt den üblichen Rahmen deutlich. Die Architekten wandten sich mit ihrem Entwurf an die Glasspezialisten von Sedak, die in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Ingenieuren Knippers Helbig GmbH sowohl die statische Berechnung als auch die Detailplanung übernahmen.

Zwei aufwändig aus Einzelblechen geformte Stahlstützen gründen auf der Untergeschossebene, durchstoßen eine Fußgängerrampe und bilden den einzigen Auflagepunkt für die 27 Meter lange Konstruktion. In der Ansicht bilden beide Stützen ein stilisiertes Y. Sämtliche Horizontallasten der Konstruktion werden von diesen beiden Trägern aufgenommen und in die Betondecke der Fußgängerrampe abgetragen. Um die einwirkenden Kräfte aus den Windlasten gleichmäßig zu verteilen, sind die Stützen über zwei rahmenlose Verbundglasscheiben aus jeweils vier mal zwölf Millimeter Floatglas statisch wirksam miteinander verbunden.

Auf den beiden Stützen liegen zwei leicht nach außen gekippte, knapp über 27 Meter lange Stahlträger, die ebenfalls aufwändig aus Einzelblechen gefertigt wurden. Ein quer durch die Stahlträger gestecktes Rundrohr verbindet diese mit dem Gebäude und sorgt zusammen mit dem Y-Trägerpaar für die erforderliche Standfestigkeit.
Den beiden Trägern untergehängt sind großformatige Glasscheiben – zwölf 4,30 mal 2,30 Meter große vierfach-VSG-Scheiben, von denen jede einzelne knapp 1,5 Tonnen wiegt.

Sie werden an nur vier Punkten über eigens entwickelte Punkthalter aus hochfestem Werkstoff abgehängt. Anschließend mit Zwei-Komponenten-Injektionsmörtel kraftschlüssig vergossen, bilden Glas und Stahl einen statisch wirksamen Verbund. Jede Scheibe ist mit einem leichten Gefälle versehen und entwässert ohne Rinne zur Seite.
Aufgrund der leichten seitlichen Neigung der Kragträger, die zudem nicht parallel laufen und der Neigung der Einzelscheiben ist jeder Punkthalter eine Einzelanfertigung.

Das statische Konzept der Vordächer erforderte eine hohe Passgenauigkeit der unterschiedlichen Bauteile. Die üblichen Bautoleranzen von drei bis fünf Millimeter für Stahlbauten mussten bei diesem Projekt deutlich unterschritten werden. Die Vorgabe lag bei plus/minus 1,5 Millimeter für die montierte Konstruktion. Bereits im Vorfeld galt es die zu erwartenden starken Verformungen durch das Eigengewicht der Scheiben von 18 Tonnen zu berücksichtigen. Die Stahlträger wurden deshalb mit Hilfe von Schablonen passgenau zusammengesetzt und in Längsrichtung überhöht hergestellt. Vor dem Verschweißen der Nähte musste man die Träger mit Hilfe von Heizmatten gleichmäßig auf 160 Grad erwärmen. Um die notwendigen hochfesten Schweißnähte verformungsfrei herzustellen wurden die Heizmatten immer nur partiell entfernt und nach dem Schweißen einer Teilnaht unmittelbar wieder platziert.

Nach exakt berechnetem Montageplan errichtet, zeigen die 40 Tonnen Stahl und Glas eine perfekt horizontal verlaufende Linie und betonen als transparente architektonische Geste den einladenden Charakter der beiden Kulturbauten.




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